Guenfer Çoelgecen
             
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Schwarze Jungfrauen Schwarze Jungfrauen
   
Schwarze Jungfrauen

 

 

Foto © Volker Beushausen

Schwarze Jungfrauen - nach einem Text von Feridun Zaimoglu
und Günter Senkel

Koproduktion zwischen Günfer Cölgecen und dem Westfälischem Landestheater Castrop Rauxel
Premiere: 22.09.2006

Hierfür wurden Günfer Cölgecen und Charis Nass in der Kritikerumfrage von Theater pur `07 als beste Schauspielerinnen genannt.
2008 wurde es zum Theatertreffen "westwärts" als eine der herausragenden Produktionen NRW's ins Schauspiel Bonn eingeladen.

 

PRESSE

Ruhr-Nachrichten, Mantelseite-Kultur 25.9.2006

Die Wut unterm Kopftuch
Diese Frauen sind stolz, klug, böse, radikal. Keine Opfer, keine Nettmenschen, keine Tugendmadonnen. (…) Sie laufen nicht am Gängelband der Männer, sie haben Krallen und sie beißen. (…) Günfer Cölgecen, die schon in ihrem Solo „Almanya“ junge Türkinnen portraitierte, spielt die Galligen, die Giftschleudern: Sie spuckt die Sätze heraus, zieht das Tempo an, moduliert die Lautstärke. Auf diese Art wird das Sprechtheater vom Hocker erstaunlich lebendig. (…) Man soll sie nicht mögen, diese Frauen. Aber ihre Wut verstehen.

 

WAZ/WR, Ausgabe Castrop-Rauxel 25.9.2006

Publikum nutzt Chance der Diskussion
(…) Günfer Cölgecen und Charis Nass spielten (…) die Frauen in ihrer Lebensbeschreibung und ihrer Beziehung zum Glauben eindringlich und überzeugend. Zum Stück gehört unverzichtbar die die anschließende Diskussion. ...

 

TAZ, Ausgabe NRW, 27.9.2006

Alles Scheiße außer Gott – Christian Scholze inszeniert am WLT messerscharfe „Schwarze Jungfrauen
Fünf Frauen verweigern sich im Stück radikal einer westlichen Kultur, die sie permanent mit (Vor-) Bildern zuballert und in Rollenbilder zwängen will. (…) Der Islam ist ihre Waffe, die mit Gewalt und Zitaten aufgeladene Sprache ihre Munition. Und sie feuern schneller, als Mann schauen kann. Radikalisierung ist für die „Schwarzen Jungfrauen“ die einzige Möglichkeit, ihre Sehnsüchte auszuleben. Respekt für die beiden Schauspielerinnen (…).

 

WAZ, Mantelseite-Kultur, 28.9.2006

Schwarze Jungfrauen
„Theater darf erschrecken. Das regt zum Nachdenken an“, sagte ein Herr bei der Diskussion nach dem Theatererlebnis in Castrop-Rauxel. Wer das unterschreibt, erlebt beim WLT einen Volltreffer. (…) Es ist eine dichte Aufführung voller gesellschaftpolitischer Behauptungen. (…) Eins haben die fünf Frauen gemeinsam: Sicherheit in ihrem Glauben, die sie Grenzen zur Außenwelt ziehen lässt. (…) In den Köpfen der Zuschauer entstehen durch Sprache und Darstellung zum Teil wunderschöne Bilder. Aber auch brutale Szenen. Das Stück rechnet weder mit dem Islam ab noch setzt es Muslime mit Terrorismus gleich. Es will Verständnis für die Radikalisierung von Muslimen wecken.

 

Westfälischer Anzeiger, Mantelseite Kultur, 29.9.06

Al-Quaida-Krähe
Mit dem Projekt glückt dem kleinen Haus ein Coup der Aktualität. In Berlin tagt die Islam-Konferenz und wird eine Oper abgesetzt, die Islamisten provozieren könnte. Und das Landestheater spielt ein Stück, das realistisch und durchaus mit Provokationspotenzial das islamische Frauenbild unterminiert. (…) Es ist die Aneignung von sehr unterschiedlichen, die den Abend auszeichnen. (…)

Günfer Cölgecen spielt hier mit sparsamsten Mitteln die Erregung und den Zwiespalt der Gefühle. (…) Diese Frauen sind freier, als es manchem Integrationspolitiker lieb sein kann. Sie passen trotzdem nicht in die Nischen, die eine westliche Gesellschaft für sie bereithält. Das Beste an der Inszenierung: Dass sie bei allem harten Stoff auch Temperament und Witz bietet.

 

Gazelle-Magazin Februar 2007

Schwarze Jungfrauen - Ein Theaterstück das zum Nachdenken anregt
Gottvertrauen ist out, sagt die hippe Partylady, die nette Jungs immer an sich ran lässt. Aber dennoch ist sie eine gläubige Muslima. Sie ist im besten Alter, trägt kein Kopftuch und tritt für den Gottesstaat ein. Klingt widersprüchlich. Das ist es tatsächlich, wenn man aus den Medien nur die unterdrückte, verschleierte und zwangsverheiratete Muslima kennt. In „Schwarze Jungfrauen“ von Schriftsteller Feridun Zaimoglu und Autor Günter Senkel wird der Zuschauer plötzlich mit einer Welt konfrontiert, die ganz anders ist als man geglaubt hat und sich als Außenstehender je vorstellen konnte. Woher sollte er auch wissen, dass es auch solche Muslimas gibt. Die Bilder, die umhergehen, zeigen schließlich ein ganz anderes.

Die 5 Monologe, die auf wahren Gesprächen mit muslimischen Frauen aus der zweiten und dritten Generation mit Zaimoglu basieren, sind spärlich inszeniert. Der Raum ist schwarz, ein einfacher Stuhl in der Mitte, in dem abwechselnd die zwei Schauspielerinnen Günfer Cölgecen und Charis Nass, in ihre Rollen eintauchen. Ein kleines Bäumchen im Hintergrund einsam stehend und ein Hauch von Scheinwerferlicht. Wirkt fast so, als wäre kein Geld für mehr Requisiten da gewesen. Doch es ist gut so, denn der Zuschauer widmet seine ganze Aufmerksamkeit den 5 Persönlichkeiten. Dessen Worte und Gedanken man gar nicht so schnell aufnehmen und verarbeiten kann, wie sie kunstvoll gesprochen werden. Ihre Sprache ist vulgär, doch die Anreihung ihrer Sätze, lassen staunen. Auch diese Sprache setzt Bilder im Kopf frei.

Die Frauen rechnen mit ihrem Umfeld ab. Finden es heuchlerisch, dass ihre Glaubensbrüder zur Heirat eine jungfräuliche Braut importieren und sich vorher sexuell austoben. Eine konvertierte Deutsche will sich den Islam nicht von den Türken schlecht machen. Eine schüchterne Schülerin hält nichts von „Linken Zecken“ und reiht sich lieber mit ihrer rechten Gesinnung ins Abseits. Eine körperbehinderte und ganzkörperverschleierte bezeichnet sich selbst als Krüppelislamistin und lässt sich auf der einen Seite von ihrem Pfleger missbrauchen und sehnt sich gleichzeitig in ihren feuchten Träumen nach seinem Glied. In ihren Augen ist es nicht gerecht ein Krüppel zu sein, doch sie hofft auf Gottes Gnaden.

Das Stück wühlt auf und stellt beim Zuschauer alles auf den Punkt Null. Alles was er geglaubt hat zu wissen, wird in Frage gestellt. Wichtig ist zu sagen, dass das Stück keinesfalls den Islam angreift oder den Islam als Religion darstellt. Es sind zwar Muslimas, die hier thematisiert werden, doch sie sprechen über sich. Ihre Wünsche, Sehnsüchte und ihre Wut. Es berichtet viel mehr davon, wie sich diese Frauen, die Deutschland kennen, radikalisieren und im Taumel der Medienbilder ein neues Ich entwickeln. Zu Recht beängstigend. Ein Stück was nicht nur für das deutsche Publikum gedacht ist, die hier plötzlich ein ganz anderes Bild von der muslimischen Frau erhalten. Auch mehr Muslime sollten das Stück sehen, das sich schließlich auch mit ihnen befasst. Sie sollten sich nicht angegriffen oder in den Dreck gezogen fühlen. Denn dies ist sicherlich nicht beabsichtigt. Dafür weiß man als Muslim selbst nur zu gut, das diese Figuren im realen Leben existieren. Die anschließende Diskussionsrunde gibt hier die Chance mit Muslimen und Nichtmuslimen in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Was heute, wo sich jeder aus dem Weg geht, eine wunderbare Chance ist. Auch wenn es nach dem Stück etwas schwer fällt die ersten Sätze zu formulieren. Denn das Stück wirkt noch auf den Zuschauer. Also bleiben Sie auf jeden Fall nach dem Stück in der Diskussionsrunde sitzen und gehen Sie nicht weg. Wenn auch nur als Zuhörer. Hier ist es dann möglich mit den Schauspielern und dem Regisseur zu diskutieren. Wann kommt man schon dazu mit Machern und Menschen muslimischer und nichtmuslimischen Glaubens ins Gespräch zu kommen. Es lohnt sich. Wer also Lust bekommen hat, sollte am Sonntag den 18.02.2007 ins Westfälische Landestheater Castrop-Rauxelfahren und sich das Stück nicht entgehen lassen. Beginn ist 18 Uhr.

 
Termine

17.04.2012
Schauspiel Dortmund